Heute gehen wir mal ein wenig zurück zu den Wurzeln des Schreibens. Strukturen sind seit jeher ein wichtiger Aspekt des Geschichtenerzählens. Heute schauen wir uns mal die 5-Akt-Struktur genauer an, die dir hilft, die einzelnen Plotpunkte deiner Geschichte zu ordnen.

Strukturen als Wegweiser deiner Geschichte

Beim Schreiben gibt es unterschiedliche Ansätze. Manche Autor*innen legen bereits im Vorfeld genau fest, was in ihrer Geschichte passieren wird, wie sich die Charaktere entwickeln und was das Ziel der Reise ist. Andere setzen sich einfach hin und schreiben drauf los. Viele bewegen sich irgendwo dazwischen.

Gehörst du zu den Planer*innen, kann dir eine Struktur sehr dabei helfen, deine Geschichte bereits im Vorfeld mit den wichtigsten Meilensteinen zu versehen. So hast du beim Schreibprozess immer ein Ziel, auf das du hinschreiben kannst.

Den meisten Autor*innen ist die 5-Akt-Struktur zumindest vom Namen her bekannt. Früher wurde die 5-Akt-Struktur sogar an deutschen Schulen unterrichtet. Leider wurde das kreative Schaffen irgendwann abgelöst von Auswendiglernen irgendwelcher Texte und Gedichtinterpretationen. Nicht, dass das schlecht wäre, aber das Lernen einer Struktur wäre weiterhin eine gute Ergänzung dazu.

Die Abschnitte der 5-Akt-Struktur

Die fünf Akte einer Geschichte haben unterschiedliche Namen. Wie jede Struktur beginnt auch der 5-Akter mit der Einleitung. In diesem Fall wird diese auch „Exposition“ genannt. Die Exposition endet mit dem erregenden Moment und leitet die „Steigerung“ in Akt 2 ein. Auf die Steigerung folgt der „Klimax“. Alles bewegt sich auf diesen Höhepunkt zu. Die Geschichte endet mit einer „fallenden Handlung“ und schließlich der „Auflösung“.

Im Folgenden will ich einzeln auf jeden Akt eingehen:

Die Exposition

Die Einleitung einer Geschichte dient dazu, den Leser*innen klarzumachen, was der Ausgangspunkt der Geschichte ist. Die wichtigsten Charaktere werden vorgestellt, damit Leser*innen wissen, mit wem sie es zu tun haben. Zeit und Ort spielen hier ebenfalls eine Rolle. Die Umgebung, in der sich die Charaktere aufhalten und der Einfluss, den diese Umgebung auf sie hat, spielt hier ebenfalls eine Rolle. Handelt es sich bei der Geschichte um die klassische Heldenreise, wird hier oft der Alltag der Protagonisten in den Mittelpunkt gerückt. Das Ziel oder ein größerer Konflikt kündigt sich an und die Exposition endet mit dem erregenden Moment. In der Heldenreise ist das oft der Aufbruch ins Unbekannte.

Die Steigerung

Wie der Name bereits verrät, steigert sich im zweiten Akt die Spannung der Geschichte. Wie du das hinkriegst, lässt sich mit drei Worten zusammenfassen: Probleme, Probleme, Probleme!

Hier gibt es viele Konflikte, die sich anhäufen und verschärfen. Die Geschichte verkompliziert sich durch Widerstände und Hürden für die Charaktere. Vor allem die Protagonisten sollten hier sozusagen nur verlieren, um den Einsatz für den Hauptkonflikt zu erhöhen. Aber auch Nebenhandlungen werden an dieser Stelle etabliert und mit Konflikten versehen. Im Normalfall bleiben die Leser*innen im Unklaren darüber, wie die Haupthandlung und die Nebenhandlung miteinander in Verbindung stehen.

Der Höhepunkt/Klimax

Die Steigerung endet am Höhepunkt. Man könnte es auch den Siedepunkt nennen, denn hier kocht sozusagen alles über. In der 5-Akt-Struktur wird in diesem Fall auch vom „Klimax“ gesprochen (englisch: Climax=Höhepunkt). Genau bedeutet das: Es gibt eine große Wendung, alles läuft schief, alles wird besser oder verschlechtert sich vollkommen.

An dieser Stelle schütten die Leser*innen am meisten das Stresshormon Cortisol aus. Das fesselt die Leser*innen an die Geschichte und sorgt dafür, dass nach der Überwindung des Klimax Glückshormone ausgeschüttet werden können.

Die fallende Handlung

Nach dem Höhepunkt fällt die Handlung ab. Sonst wäre es ja nicht der Höhepunkt. Man spricht dabei auch von Retardation. Der Konflikt wird aufgelöst und der Hormonzustand der Leser*innen verändert sich. Das ist der Moment, in dem sich die Aufregung in Erleichterung wandelt. Die Leser*innen legen das Buch hier noch nicht aus der Hand, weil sie wissen wollen, wie die Geschichte für die Charaktere nach dem Höhepunkt endet.

Innerhalb der fallenden Handlung werden gerne noch Twists platziert, die den Konflikt in die Länge ziehen oder die Handlung noch einmal ein wenig auf den Kopf stellen. Das Ende bleibt dadurch weiterhin offen. Geübte Autor*innen spielen an dieser Stelle gerne mit den Erwartungen der Leser*innen und überraschen sie im letzten Moment, indem sie Stück für Stück die Plots auflösen.

Die Auflösung

Die finale Auflösung findet zum Schluss statt. Die Protagonisten erreichen ihr Ziel (oder scheitern endgültig daran) und die letzten ungelösten Rätsel werden aufgeklärt.

Der Spannungsbogen ist nun vollständig abgeflacht. Es gibt eventuell noch einen Epilog, der darauf eingeht, wie es mit den Charakteren und der Welt weitergeht. Gute Autor*innen halten sich ab diesem Punkt aber möglichst kurz. Ohne Spannung, haben die Leser*innen keinen Grund mehr, lange weiterzublättern. Die Auflösung sollte also auf so wenigen Buchseiten wie möglich stattfinden.

Die 5-Akt-Struktur kurz zusammengefasst

Kurz und knapp lässt sich die 5-Akt-Struktur so zusammenfassen:

Akt 1: Einleitung (Exposition)

  • Zeit
  • Ort
  • wichtige Charaktere
  • Konflikt oder Ziel werden angekündigt
  • endet mit einem erregendem Moment

Akt 2: Steigerung

  • Probleme, Probleme, Probleme!

Akt 3: Höhepunkt (Klimax)

  • Größter Wendepunkt
  • Alles wird besser/schlimmer

Akt 4: Fallende Handlung (Retardation)

  • Konflikt löst sich
  • Ende bleibt ungewiss
  • Konflikt kann in die Länge gezogen werden

Akt 5: Auflösung

  • Ziel wird erreicht oder verfehlt
  • alle offenen Fragen werden beantwortet

Neben der 5-Akt-Struktur gibt es auch noch die vereinfachte 3-Akt-Struktur und das komplexere 7-Punkte-System. Sie alle dienen der Planung deiner Geschichte, bevor du mit dem Schreiben beginnst. Hast du schon mal eine dieser Strukturen verwendet?

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