Dos und Donts für Selfpublisher – eine Wunschliste?

27 Jun 2017 | Autorenleben | 0 Kommentare

Dos und Donts für Selfpublisher – das klingt aus dem Mund von Books on Demand wie eine Wunschliste. Ich bin gespannt.

Die vierte Session am Samstag, die ich besuche, findet um 16:30 in der Halle statt und wird live übertragen. Ich konnte mich nur ganz spontan entscheiden zwischen einer Session über Verlagsautoren vs. Selfpublishing, dem Konzipieren meiner eigenen Session (17:30 Uhr), der Datenwiederherstellung einer überschriebenen Word-Datei und dieser Session. Letztlich habe ich mich dafür entschieden, der Session von BoD beizuwohnen. Alles andere würde schon irgendwie funktionieren.

Wie die Session beginnt, weiß ich selbstverständlich nicht, denn Pünktlichkeit ist bei mir persönlich irgendwie nicht vorgesehen auf dem Literaturcamp in Heidelberg. Den Einstieg in diese Session finde ich erst mit der Grafik, die einen Kreis darstellt und die drei wichtigen Schritte des Veröffentlichens beleuchtet.
Es geht ums Schreiben, Veröffentlichen und Vermarkten.

Dos und Donts für Selfpublisher: zunächst viel zu banal

dos-und-donts-fuer-selfpublisher-bod-3Thorsten Simon beginnt mit banalen Tipps:

  1. Macht nicht alles allein.
  2. Benutzt Tools wie Scrivener oder Papyrus Autor.
  3. Spart nicht am Cover.

Natürlich sind wir Selfpublisher keine eierlegenden Wollmilchsäue, aber wenn man sich das Überangebot müheloser Veröffentlichungen ansieht, sind solche Tipps wohl zu jeder Zeit am rechten Platz.

Letzteres scheint ebenso banal wie die Tipps davor, ist aber unheimlich wichtig. Den Fehler habe ich selbst gemacht und mit der Krankheitensammlerin* gelernt, dass ein zu schlichtes, zu günstiges Cover verkaufsschädigend sein kann. Heute würde ich vieles anders machen, beziehungsweise einen Profi an die Covergestaltung heranlassen.
Timon neben mir atmet schon wieder tief durch, offenbar ist es ihm zu banal. Ich bin auch noch nicht mitgenommen und begeistert – aber nach dem Vortrag von Benjamin Spang kann mich eigentlich nahezu nichts vom Hocker hauen, fürchte ich. Gleichzeitig halte ich es für jeden, der sich noch nicht mit Selfpublishing auseinandergesetzt hat, wichtig, dass dieser Einstieg genau so gemacht wird.

Plötzlich wird’s interessant: Covergestaltung

Die Kosten bei einem Grafiker für ein Cover sollen bei etwa 220 Euro plus liegen. Die Cover müssen auch im kleinen Format funktionieren, aber ebenfalls im Barsortiment begeistern. Der Vortrag geht auf ein paar wichtige Eigenheiten eines Covers ein und fordert zur Plakativität auf.
Dos und Donts für Selfpublisher: Cover

  • Do: Investiere Geld!
  • Do: Suche dir einen Profi, der wirklich weiß, was er tut!
  • Don’t: Spare nicht am Cover
  • Do: Das Cover muss auch auf dem Handy in kleinster Vorschau erkennbar sein
  • Don’t: Das Cover darf nicht zu simpel sein
  • Do: Das Cover muss im Barsortiment überzeugen
  • Do: Vergleiche dein Cover mit denen von Vergleichstiteln!

Books on Demand hat einen Tool zum Vergleichen von Covern.

Jetzt wird es spannend: Das wusste ich noch nicht. Und dieses Tool hilft jedem von uns, die Dos und Donts für Selfpublisher im Bezug auf Cover besser nachvollziehen zu können, denn die Schwierigkeit hinter den zahlreichen Tipps ist die Balance.

Das „Vergleichen Sie Ihr Cover“-Tool von Books on Demand bietet die Funktion, dass man sein eigenes Cover in das Tool zieht und mit anderen Covern des ausgewählten Genres vergleichen kann. Worüber der Stellvertreter von BoD leider kein Wort verliert: Irgendwo muss es passen, aber gleichzeitig auch herausstechen.

Weiter geht’s mit Standard-Tipps – das ist nicht verwerflich

Ein Tipp, der sich aus dem bisher Gesagten erschließt: Baut ein Team um euch auf. Man braucht Lektor, Grafiker, Korrektor, Testleser… das wissen wir eigentlich schon.

dos-und-donts-fuer-selfpublisher-bod-2

Sorry fürs Multitasking! Habe trotzdem eine Menge mitbekommen!

Aufgrund meines ärgerlichen Datenverlustes bin ich an dieser Stelle der Session eher mies gelaunt. Die Mitschrift bei der ersten Session ist offenbar unwiderruflich verloren. Mir dabei einen Vortrag anzutun, den ich gefühlt schon tausend Mal gehört habe, bessert das nicht. Also beginne ich Multi-Tasking, arbeite mit einer Testversion eines Data Rescue Programms und notiere nebenbei in zwei Word-Dateien Infos für meine folgende Session und in der anderen stichpunktartig, was ich vom BoD-Vortrag mitbekomme. Letzteres möchte ich euch nicht vorenthalten.

Ihr müsst wissen, für wen ihr schreibt. Definiert eure Zielgruppe nicht nur anhand oberflächlicher Daten. Kommt dir das bekannt vor? Na, egal, hier die Liste:

  • Alter
  • Geschlecht
  • Wohnort
  • Schulabschluss
  • Ausbildung
  • Beruf
  • Familienstand
  • Hobbies
  • Ziele
  • Werte
  • Abneigungen
  • Lieblingsbuch
  • Lieblingsfilm
  • Lieblingszeitschrift

Hier greift Thorsten die Buyer Persona auf, die ich schon in der Content-Strategie-Session auf interessantem Wege beleuchtet bekommen habe.

Beim nächsten Tipp horche ich wieder auf: Wattpad ist eine Social Writing Community. Dort bekommt man besonders schnell Feedback der Leser aus der Zielgruppe. Eine tolle Möglichkeit, um die Zielgruppe besser kennenzulernen.

Diesen Tipp halte ich für genial, denn wenn man seine Zielgruppe nicht aus Erfahrung und eigener Logik heraus festlegen kann, ist es hilfreich, sie selbst empirisch zu analysieren. Lasst Menschen eure Texte oder Textausschnitte lesen und erstellt anschließend selbst eine Buyer Persona, wenn ihr euch jeden Leser genauestens anseht.

Von der Quantität der Selfpublisher

Weiter geht es mit dem Schubladen-Tipp.
Füttert eure Leser!
Und zwar regelmäßig.
Besser: oft!


Habt die Fortsetzung in der Schublade, sodass der zweite Teil eures Romans so zeitnah erscheint, dass der Leser noch den ersten Teil im Kopf hat.

An dieser Stelle geht ein kurzes Gelächter durch den Raum: “Macht es nicht wie George R. R. Martin.” Ich befinde mich unter Menschen, die sich auskennen und wissen, was gemeint ist. Yay!
Bei Genreliteratur sollte ein Selfpublisher allerdings alle 3-4 Monate ein neues Buch veröffentlichen.
Einmal gewonnene Leser wollen mehr. Serien funktionieren gut im Self-Publishing.

Jetzt wird es etwas kontrovers: Timon L. Thöne ergreift das Wort und fragt, ob die Qualität der Bücher nicht darunter leide. Er möchte gerne Statistiken haben und betont den Unterschied von „geschriebenen Telenovelas“ und komplizierter, tiefgreifender Science Fiction.

Die Antwort schweift ein bisschen ab und betont, wie wichtig es ist, dass der Leser vom Autor lesen will. Thorsten empfiehlt Timon Prequels, Kurzgeschichten und ähnliches, was die Leser bei Laune hält, wenn man die drei bis vier Bücher pro Jahr nicht veröffentlichen kann.

Wichtig ist dabei immer die Qualität. Die darf nicht vergessen werden, wenn man den Quantitätsstandards hinterher hechtet.

Wir Autoren haben es schon hart. Liefern, Liefern, Liefern!

Und das möglichst exzellent in Quantität und Qualität, um bloß nicht vergessen zu werden!

Wisst, was ihr wollt!

Seien wir doch mal ehrlich: Books on Demand hat viele Vorteile gegenüber anderen Distributoren. Ich selbst bin mit epubli nicht mehr zufrieden, weil die Erstellung einer Neuauflage kompliziert ist und ich einige Probleme mit der Integration in den Amazon-Shop hatte. Seit dem readfy-Wettbewerb habe ich einen 19-Euro-Gutschein, der mir die Gebühr für eine Veröffentlichung bei BoD schenkt, und so bin ich ein BoD-Fan und würde mein nächstes Buch dort veröffentlichen.

Wer noch nicht weiß, was er oder sie will, kann sich mit folgenden Fragen Abhilfe verschaffen:

Soll alles aus einer Hand geschehen? Oder wollt ihr möglichst viel selbst machen?

Wollt ihr Exklusivität? Oder soll euer Buch überall erhältlich sein?

Alles hat Vor- und Nachteile. Eine exklusive Veröffentlichung könne zu mehr Sichtbarkeit führen und man könne mehr mit dem Titel machen. Ist das Buch überall erhältlich, so hat es den großen Vorteil, dass Leserinnen und Leser, die beispielsweise Amazon boykottieren, nicht auf euer Buch verzichten müssen. Außerdem kann man so den lokalen Buchhandel unterstützen, was mir inzwischen tagtäglich immer wichtiger wird.

Informiert euch über den Buchhandel! Und über Verlage, besondere Vorsicht ist natürlich bei DKZV geboten.

Die Wunschliste von BoD oder: die Dos für Selfpublisher

Setzt Metadaten (Katalogdaten) effektiv für die Auffindbarkeit ein! Metadaten sind solche wie Titel, Schlagworte, ISBN, Klappentext und Autorenname.

dos-und-donts-fuer-selfpublisher-bod-1Setze Schlagworte kreativ ein. Nutzt euer Wissen über Leser und deren Suchverhalten.
Das gefällt mir, aber mir fehlen ein wenig die “Donts” bei den Dos und Donts für Selfpublisher. Dass an dieser Stelle der Bogen zwischen den Zielgruppen-Tipps und der Veröffentlichung eines Buches als Selfpublisher gezogen wird, lässt mein Multitasking unbedeutender werden. Ich bin wieder voll dabei.

Und wieder kommt ein Tipp, der von andere Sessions wiederzukehren scheint: Corporate Identity. Tretet einheitlich auf, macht euch zur Marke, die nicht verwechselbar ist.
Dazu gehört eine Website. Sie sollte möglichst professionell sein, denn sie ist für Selfpublisher ein zentraler Ankerpunkt.

Dos und Donts für Selfpublisher sind beim Thema Website einfach auszumachen:
• Wählt ein elegantes, stilvolles Design, das euch und der Zielgruppe gefällt.
• Ladet nur qualitativ hochwertige Texte hoch.
• Beschreibt euch, eure Tätigkeit und eure Werke.
• Bietet einen Newsletter an.
• Verzichtet auf Pop-Ups und Werbung.
• Verlinkt Social Media mit der Website und umgekehrt.
• Zieht Leser auf Website und setzt Kaufimpulse.
• Bietet den Lesern einen Mehrwert. Recherchiert ggfs. über Content Marketing.

Nutzt Newsletter! Sie sind das effektivstes Instrument bei der Vermarktung! Bietet euren Lesern dabei einen echten Mehrwert. Die Newsletter einer Website ohne integrierten Blog sollten alle drei bis vier Wochen versendet werden.

Setzt den Buchpreis fest. Orientiert euch bei der Preisgestaltung am Genre sowie am Wettbewerb.
Ein weiterer Tipp, der mich persönlich weiterbringt: Bevor man in die Vollen geht, was das Marketing und die Verbreitung des neuen Werkes angeht, sollte man fünf bis zehn gute Rezensionen haben.

Dos und Donts für Selfpublisher: mein Fazit

Insgesamt empfand ich Dos und Donts für Selfpublisher als gute Balance zwischen Interessierten-Info und Tipps für Selfpublisher, die bereits Erfahrung haben. Die Tipps, die mir zum größten Teil nicht neu waren, aus der Perspektive von Books on Demand zu hören, war dennoch enorm wertvoll.


Es ist wichtig, dass wir Selfpublisher uns ein Team aufbauen und uns auf das konzentrieren, was wir können. Niemand ist eine eierlegende Wollmilchsau, die in allen Disziplinen 100 % geben kann. Setzt auf Qualität, aber beachtet auch die Quantität. Haltet eure Leser bei der Stange, präsentiert euch professionell und wisst, was ihr und eure Zielgruppe wollt. Ich bedanke mich für den tollen Vortrag.

P.S.: Die Session zu “Autoren an die Steuer” habe ich erfolgreich während dieses Vortrags konzipiert. Die Datensicherung ist nicht geglückt, da ich dazu ein Software-Abo hätte abschließen müssen. Wer diesen Vortrag vollständig nachschauen möchte, kann dies auf Youtube tun.

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Zum Twitter-Account: @booksondemand
Zur Website: bod.de
Zum Pressesprecher von BoD: @Thorsten_Simon

Alles Liebe,

Kia



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